Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)

Weltmusik

Nie stille steht die Zeit,
der Augenblick entschwebt
und den du nicht genutzt,
den hast du nicht gelebt.

Sommervorhang

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise wie einem Vogel
die Hand hinhalten.

Gedicht von Hilde Domin

Der Geist ist. . .

Welches sind die großen Tage,
die für uns Bedeutung haben?
Gewiss nicht Zeiten großer Klage!
Gewiss nicht Feste voller Gaben.

Es ist meist nur der Augenblick:
In dir sind leise Stimmen,
durch dich strömt ein Gefühl von Glück
und lässt dein Herz mitschwingen.

Da gibt es Tiefen oder Höhen,
da gibt es Freud, da gibt es Leid,
oft überrascht uns ein Geschehen,
des Lebens Fortgang nennt man Zeit.

Gedicht von „anonym“

Essenseinladung

Ein Lächeln schafft Glück zu Hause,
ist ein Zeichen der Freundschaft.
Es schenkt dem Müden Ruhe,
dem Entmutigten Freude,
Sonnenschein dem Traurigen
und es ist das beste Gegengift gegen jeglichen Schmerz.

Es kostet nichts und bringt viel ein.
Es bereichert den Empfänger,
ohne den Geber ärmer zu machen.
Es ist kurz wie ein Blitz,
aber die Erinnerung daran ist oft unvergänglich.
Keiner ist so reich, dass er darauf verzichten könnte,
keiner so arm, dass er es sich nicht leisten könnte.
Es bedeutet für den Müden Erholung,
für den Mutlosen Ermunterung,
für den Traurigen Aufheiterung
und es ist das beste Mittel gegen Ärger.
Man kann es weder kaufen,
noch erbitten,
noch leihen,
noch stehlen,
denn es bekommt erst dann seinen Wert,
wenn es verschenkt wird.
Denn niemand braucht es so bitternötig,
wie derjenige, der es für andere nicht mehr übrig hat.

Was das ist?

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