COLLAGE – mein Jahresthema 2015

Obwohl ich mich derzeit mit einer interessanten Goethe – Biographie (von Rüdiger Safranski) befasse, möchte ich zwei Schillersprüche zitieren. Der erste Spruch von Schiller, der als Motto für mich und mein Arbeitsthema des vergangenen Jahres galt, lautet:

„Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit.“

Ich habe mir die Freiheit genommen, mich im Jahr 2015 in meiner Arbeit auf Collagen im kleinen Bildformat zu begrenzen, obwohl ich immer wieder von Freunden und Freundinnen gefragt werde, wann ich denn endlich wieder, richtig große Bilder male. Ich bin meinen KLEINE COLLAGEN treu geblieben. Die Collage ist eine kreative Technik, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Georges Braque und Pablo Picasso in die moderne Kunst eingebracht wurde.

Der Begriff ist aus dem Französischen entlehnt, „colle“= Leim. Ursprünglich kommt das Wort aus dem Griechischen, kollá = Klebstoff. Heutzutage werden viele Fotocollagen in digitaler Technik hergestellt. Was früher Collage hieß, ist heute das Bildcompositing. Dazu gibt es Downloads, sie ermöglichen eine automatische und schnelle Erstellung von Fotocollagen. In einem Angebot für ein PhotoFancy Collagen-Programm heißt es:

Mit dem PhotoFancy Fotocollagen-Programm verwandelst Du eine Sammlung Deiner schönsten Bilder in ein Gesamtkunstwerk. Ganz ohne Schere, Kleber und Papier erstellst Du Deine Bildcollage online in wenigen Schritten. Wähle eine der zahlreichen Collagen-Gestaltungsvorlagen und lade Deine Digital-Fotos hoch. Anschließend platzierst Du die ausgewählten Fotos auf dem gewünschten Collagen-Hintergrund oder in einer der stilvollen Vorlagen für Themen-Fotocollagen. Du kannst sogar jedes einzelne Foto in Deiner Fotokollage mit einem der beliebten PhotoFancy Fotoeffekte neu gestalten oder „aufpimpen“ – Collagen einfach Fancy selbst machen.

Dazu muss man am PC und Bildschirm sitzen und wohl aus einer anderen Generation stammen, um das großartig zu finden. Ich liebe meinen PC für diverse Arbeiten, aber um kreativ zu sein, brauche ich das Haptische, das Arbeiten mit den Händen, der Schere, den unterschiedlichen Materialien und dem Klebestift. Die Collage hat sich zu einer meiner Lieblingstechniken entwickelt. Sie ermöglicht es mir, spielerisch zu experimentieren und bei der Erstellung immer wieder neue, aufregende und manchmal auch unerwartete Ergebnisse zu erhalten.

Meine Collagen haben „Buchseitenformat“, d. h. sie sind 12×18 cm oder 14×19 cm groß. Schon seit geraumer Zeit übermale ich die Seiten alter Bücher mit Acrylfarbe und bearbeite sie dann mit meinen meist biographisch inspirierten Collagen. So entstanden etliche Collagenbücher. Dazu verwende ich Fundstücke, von denen ich viele habe, denn ich bin eine Sammlerin. Diese Fundstücke, die mir irgendwie „auffielen“, sei es wegen ihrer Farbgebung oder ihres Dekors, sind in der Regel unwichtige Dinge, die nicht groß beachtet und weggeworfen werden. Ich liebe es, irgendwie gebrauchte, nutzlose Dinge weiter zu verwenden und selbst die letzten Reste zu benutzen. Mittlerweile horte ich kistenweise Material mit diversen Alltagsfundstücken (Klebeetiketten, Folien, Einwickelpapier, Werbeseiten, Papiere, Pappen, Stoffreste, Fotografien, Teebeutel, Eintrittskarten, Schriftzüge und Fotos aus Magazinen oder Faltblättern, Federn, gepresste Blätter und Blumen, Fäden, Bändchen, Briefmarken, Aufkleber…)

In meiner Verwandtschaft heißt es schon, „Vielleicht kann das Sigrid ja gebrauchen“ oder „Kann das weg oder wird das Kunst?“ Von Bekannten bekam ich ein Kästchen mit alten Papieren, Briefbögen, Büttenkartons und Papierspitzendeckchen geschenkt, zum „Verarbeiten“. Diese seltenen Teile inspirierten mich zu einigen Collagen in der Themengruppe „Farbe und Form“. Diese Papiere werden von mir unterschiedlich benutzt, z. B. zerrissen, beschnitten, bedruckt, übermalt oder beschrieben und in einer Komposition zu einem neuen Ganzen, d.h. einem fertigen, kleinen Bild, verarbeitet. Während des Arbeitsprozesses verlieren die Fundstücke manchmal ihre ursprüngliche Bedeutung, manches wird von mir aus dem Zusammenhang gerissen und umgedeutet, ein Ausdruck wird verstärkt, ein Eindruck imaginiert oder etwas Alltägliches wird zur reinen Form.

Im Laufe des Jahres sind verschiedene Themenschwerpunkte entstanden:

NATUR
TEE
FARBE UND FORM
REISEN

Ich zeige in der aktuellen Ausstellung zum Thema „Natur“ 4 Collagen, zum Thema „Tee“ 30, in der die Gruppe „Farbe und Form“ sind es 16 und bei „Reisen“ 19 Andalusien Collagen.

Das kleine Format zwingt nicht nur mich, sondern auch den Betrachter und die Betrachterin zum genaueren Hinsehen, nur so sind Details zu erkennen, nur so kann man sehen, dass manche dieser kleinen Bilder aus 4-13 Einzelteilen bestehen und nur so erschließen sich die kleinen Collagenbilder.
Ich weiß, dass die Technik der Collage nicht allen Menschen so richtig gut gefällt, aber mir macht es viel Freude, sie herzustellen. Diese Technik gehört zu mir, denn ich bin der Meinung, dass sie das Leben spiegelt, das setzt sich ja auch aus „Fetzen“ und Bruchstücken zusammen und ergibt am Ende ein Ganzes.

Der zweite Spruch von Schiller (1797), den ich in diesem Zusammenhang zitieren möchte, lautet:

„Kannst du nicht allen gefallen durch deine Tat und dein Kunstwerk, mach es wenigen Recht; vielen gefallen ist schlimm.“

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